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Erlebnisse und Eindrücke vom 2. Ökumenischen Kirchentag in München
(12. – 16.Mai 2010)


Im Schwaigerner Amtsblättle vom 12.02.2010 war unter Kirchlichen Nachrichten zu lesen: „2.Ökumenischer Kirchentag (ÖKT) in München; Termin: 12. bis 16.Mai 2010 - Wer fährt mit?; Motto: "Damit ihr Hoffnung habt". ... Für die evang. und kath. Kirchengemeinden im Leintal sind Pfarrerin Stephan, Kleingartach, und Pfarrerin Raff-Eming, Schwaigern die Ansprechpartnerinnen.”

Unter Federführung von Pfr’in. Stephan hatten wir uns am 22. April 2010 im evang. Gemeindehaus Schwaigern eingefunden, "um uns als Gruppe zu finden und letzte Details abzustimmen." Siebzehn Personen einschließlich der beiden Pfarrerinnen zählte unsere Reisegruppe (9 aus Schwaigern–Stadt, 2 aus Schwaigern–Stetten, 3 aus Eppingen–Kleingartach, 1 aus Brackenheim und 2 aus Stuttgart; Letztere hatten lange Zeit in Schwaigern–Stadt gelebt und sind heute noch stadtbekannt). Um uns als Gruppe zu erfahren, ließ Pfr’in. Stephan uns nach kurzer persönlicher Vorstellung eines jeden zuerst einmal – für mich völlig neu – zu kleinen Gruppen zusammenstellen, geordnet das eine Mal nach Heimatgemeinden, das andere Mal nach Anreiseweisen (Bus/Privat–PKW), dann nach Unterkunftsarten (Sammelquartier (2x)/Privatunterkunft (Rest)) und zum Schluss nach Taufbekenntnissen (kath. (2x)/evang. (Rest)).

"Damit ihr Hoffnung habt" lautet das diesjährige Kirchentagsmotto. Und so bot Pfr’in. Stephan jedem von uns als Einstimmung auf das Bevorstehende an, "seine Hoffnungen bezüglich des Kirchentags der Gruppe mitzuteilen". Wahrscheinlich als einzigster – so genau hatte ich nicht aufgepasst – enthielt ich mich einer Äußerung. Denn mir schoss es durch den Kopf: Wer hofft, „pfeifft seelisch aus dem letzten Loch”. Wer zuversichtlich ist, geht von einem Gelingen aus, behält jedoch auch die Möglichkeiten eines Misslingens im Hinterkopf. Und wer sich seiner Sache gewiss ist, begegnet Zweiflern mit der rhetorischen Frage, was denn überhaupt noch schief gehen soll. Und da ich mir gewiss war, dass auch dieser Kirchentag für mich eine seelische und erkenntnismäßige Bereicherung sein wird und da ich niemanden von den Hoffenden vor den Kopf stoßen wollte, schwieg ich halt und behielt meine Gedanken für mich.

Lt. Pfr’in. Raff–Eming hatten sie uns beim Evang. Jugendwerk Heilbronn angemeldet und so machten wir uns gemeinsam mit den Heilbronnern auf nach München.


Über mich: Mein Jakobsweg – Ulrich Gast ⁄ Schwaigern
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Anreisetag:
Fünf aus unserer sechzehnköpfigen Reisegruppe fanden sich am 12. Mai 2010 kurz vor 10.00 h am Schwaigerner Bahnhof ein, um gemeinsam mit der Stadtbahn S4 nach Heilbronn–Harmonie zu fahren und von dort aus zum nahen Heilbronner Reisebusbahnhof Karlstraße zu marschieren. Auf Wunsch von Fr. Pfarrerin (Pfr’in.) Raff-Eming oblag mir die Organisation einer preisgünstigen Anreise nach Heilbronn. Nicht alle aus unserer Gruppe reisten mit dem Bus von Heilbronn nach München hin und auch wieder zurück; manche wählten nur die Rückfahrt, andere wiederum reisten gänzlich mit Privat–Kfz’s.

Auf dem Schwaigerner Bahnsteig fiel es mir siedend heiß ein, dass ich meine Brille zuhause auf dem Wohnzimmertisch meiner Wohnung liegengelassen hatte. Ein Kirchentag ohne „Scharfblick”, oh Schreck! Ein Nachbringen meiner Brille zum Heilbronner Reisebusbahnhof per Auto wollte und konnte mein Vater altersbedingt nicht. Und wen konnte ich denn sonst noch von meinen Bekannten hierzu bitten. Alle waren doch im Geschäft. Gudrun hatte die blendende Idee, Fr. Pfr’in. Raff-Eming, die einen Tag später, also am 13.05. privat nach München anreiste, könne doch meine Brille nachbringen. Gesagt, getan. Mein Vater gab meine Brille bei Fr. Mayer beim Evangel. Pfarramt Schwaigern ab. Dort sollte sie Fr. Pfr’in. Raff-Eming abholen und mir nachbringen, wozu sie sich zuvor fernmdl. auch spontan bereit erklärt hatte.
    
Hr. Diakon Beye vom Evangel. Jugendwerk Heilbronn hatte wie im Jahr zuvor die Federführung bzgl. Anreise und Unterbringung. Zwei Busse waren bei der Heilbronner Firma Gross gechartert worden. Dass alle aus unserer Schwaigerner Reisegruppe in Fürstenfeldbruck untergebracht werden konnten, war vor allem dem Engagement von Fr. Pfr’in. Stephan zu verdanken. Selbst Marcel und ich, die wir beide als einzigste aus unserer Schwaigerner Reisegruppe ein Gemeinschaftsquartier gebucht hatten, logierten unweit des Bahnhofs Fürstenfeldbruck in einer nagelneuen Staatl. Beruflichen Oberschule. Auf € 157,00 (Gemeinschaftsquartier mit Frühstück: € 89,00; Vermittlungspauschale: € 18,00; Buskosten: € 50,00) beliefen sich meine Fixkosten fürs fünftägige Reisevergnügen.

Mit halbstündiger Verspätung starteten wir so um 11.30 h mit zwei Bussen. Die Pfadfinder, die beim Kirchentag halfen, hatte Hr. Diakon Beye in den einen und uns Alte – unser Jungspund Marcel möge mir diese Verallgemeinerung nachsehen – in den anderen Bus verfrachtet. Ich hatte mich notgedrungen neben einen Rentner aus Heilbronn gesetzt, was ich nicht zu bereuen hatte. Er erzählte mir so einiges von der „Evangel. Großkirchengemeinde Heilbronn” und deren Teilkirchengemeinden. Für eine dieser Teilkirchengemeinden war er trotz hohem Alter (– norddeutsch mit Genitiv! –) immer noch sehr engagiert. Bestens unterhielten wir uns auf der Fahrt. Wegen einer Autobahnbaustelle und den damit zu erwartenden Staus wählten die Busfahrer nicht die Autobahnroute über Stuttgart – Ulm sondern die etwas weitere über Nürnberg. Gebracht hat’s leider nichts.
    
Viel zu spät, um noch rechtzeitig zum Eröffnungsgottesdienst zu kommen, fuhren unsere Busse in Fürstenfeldbruck ein. Rasch mit Marcel unser beider Quartier in der Staatl. Beruflichen Oberschule Fürstenfeldbruck bezogen – die Heilbronner Gemeinschaftsquartierler waren in der Nachbarstub’ untergebracht – schlappten wir zum nahen S–Bahn–Bahnhof Fürstenfeldbruck getreu dem Kirchentagsmotto in der wagen Hoffnung, vielleicht doch noch etwas vom Eröffnungsgottesdienst auf der Münchner Theresienwiese mitbekommen zu können. Lars der in einem Privatquartier untergebracht war, hatte sich auch schon auf dem Bahnsteig eingefunden. Nach ca. 20 minütiger S–Bahnfahrt und einem viertelstündigen Fraußmarsch erreichten wir dieTheresienwiese leider viel zu spät. Die Menschen strömten bereits vom Platz und so zogen wir drei mit diesen in Richtung Münchner Innenstadt, die für den „Abend der Begegnung” hergerichtet war. Unzählige Buden, Fressmeilen, Veranstaltungsbühnen, Informationsstände u.s.w. reihten sich aneinander; geordnet nach den Regionen Bayerns.

Lars und Marcel hatte ich zum ersten Mal auf unserem Vorbereitungstreffen in Schwaigern kennen gelernt. Und so verwunderte mich Lars Bekanntheitsgrad schon ein bisschen. Denn kaum auf dem „Abend der Begegnung” angekommen, gab’s gleich ein „Halli und Hallo” mit mir und anscheinend auch Marcel wildfremden Leuten. Und wie viele andere Leute aus Lars Bekanntenkreis noch auf dem Kirchentag seien, wurde gleich zwischen Lars und seinen Bekannten spekuliert. Wie bei Kirchentagen üblich kamen wir ohne Scheu voreinander rasch ins Gespräch. „He, warum schupsen Sie mich denn?” hatte ich schon auf den Lippen, als ich mich umdrehte und der Ursache nachgehen wollte, weshalb ich von hinten zart zur Seite gedrückt wurde. Leibwächter schirmten Promis ab. Die, die ich zu Gesicht bekam, waren mir völlig unbekannt. Marcel meinte, unser Bundespräsident Horst Köhler sei mit dabei gewesen. Er hatte es sich wieder ’mal nicht nehmen lassen, uns Kirchentagsbesucher nach dem Eröffnungsgottesdienst auf der Theresienwiese persönlich zu begrüßen. So sieht also bei Staatsoberhäuptern ein „Bad in der Menge” aus.
    

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Wir schoben Kohldampf und so mischte sich unsere kleine um Lars seine Bekannte nun vergrößerte Schar unter den Pulk der Kirchentagsbesucher auf der Suche nach etwas schmackhaft Eßbarem. Obgleich ich mich kurz zuvor abgesetzt und bei einem Ständle polnisch stämmiger Bayern meinen Heißhunger alleine vorzüglich gestillt hatte, fragte ich nach unserem nunmehr gemeinsamen Snack unüberlegt lakonisch in die Runde: „Und was essen wir jetzt?” Kurzes Gelächter war mir beschieden. Und dass man nicht in München gewesen sein konnte, ohne einen Biergarten besucht und ein Bierle gezupft zu haben, war eine andere Idee von mir. Schnell ein paar Stühle im Erstbesten zusammengerückt warteten wir auf die Bedienung. Wie könnte es anders sein, war sie wegen des Andrangs völlig überlastet. So zog ich halt meine Spendierhose an und kellnerte mit einem Tablett unsere Bierle aus der Gaststub’ hinaus. Marcel wollte zuerst keins und musste von mir quasi „vergewohltätigt” werden. „Und wenn ich Alkoholiker bin?”, gab er zu Bedenken, als ich ihm ein kleines Bier hinstellte. „Bei Deinem Alter ist das unmöglich!”, schmetterte ich seinen Einwand ab. Geschmeckt hat’s ihm jedenfalls. Wir lachten und scherzten und verplauderten uns und bekamen kaum was vom Angebot des „Abends der Begegnung” mit.


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Bald war’s an der Zeit, uns auf den Weg zu machen, wollten wir am Abendsegen „Bleib bei mir, Herr” um 22:25h noch teilhaben. Auf unserer Bummeltour durch die Münchner Innenstadt entlang den zahlreichen Buden, Bühnen u.s.w. präsentierte sich uns eines der hohen Podeste symbolisch für einen der drei großen Berge Bayerns: „Großer Arber”, „Zugspitze” oder „Trettachspitze”, ich weiß es nicht mehr so genau. Jedenfalls ließen es sich Lars und Marcel nicht nehmen, himmelwärts den Berggipfel zu erstümen. Sind sie dadurch dem Himmel ein Stück näher gekommen, wer weiß? Ich jedenfalls behielt Bodenkontakt und verschwendete hierfür keinen einzigen Tropfen Schweiß.
    
Noch frühzeitig genug gesellten wir uns zu den auf den Abendsegen Wartenden an irgeneinem Platz. Kerzen in der Hand haltend sangen und beteten wir in uns gekehrt in einem andächtig stimmungsvollen Lichtermeer zerfließend. Als ich auf dem Nachhauseweg kurz kräftig auflachen musste, war ich über mich selbst verwundert. „Jetzt ist meine schöne Stimmung futsch!”, platze es aus mir heraus. Und so war’ s auch.



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1. Tag in München:
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Punkt sechs Uhr in der Früh erschallte mehrmals der Schulgong und die Durchsage „Aufstehen! Es ist sechs Uhr”; eine halbe Stunde später nochmals das gleiche allerdings mit dem Hinweis: „Für Spätaufsteher!”. Lt. Infoblatt standen den 750 Sammelquartierlern 36 Duschen in der Schulsporthalle zur Verfügung, wohlgemerkt für Männlein und Weiblein jeweis 18. Kurz geduscht, vorerst noch provisorisch mit einem Plastiktässle – meine Porzellan–Kirchentagstasse musste ich mir erst noch besorgen – gefrühstückt marschierte ich mit meinem Daypack zum Bahnhof. Bis zur Einfahrt der S–Bahn unterhielt mich ein äterer Herr aus der Heilbronner Gruppe. Marcel stieß später zu uns. Im Zug saß bereits Lars. Während Lars und Marcel eine „Bibelarbeit” bevorzugten, besuchte ich um 8:30h das feierliche Pontifikalamt zu Christi Himmelfahrt im Dom „Zu unseren lieben Frau” mit dem Münchner Erzbischof Dr. Reinhard Marx. Erhaben und würdig zogen die hohen Herrschaften Mitra geschmückt mit großem Gefolge ein. Lediglich einen Stehplatz nah am Altarbereich konnte ich mir ergattern. Wer bummelt muss halt leiden.

Im Anschluss an den Gottesdienst zog die ganze Domgemeinde angeführt vom Müncher Erzbischof im Tross aus dem Dom hinaus zum Odeonsplatz; ebenso die Evangelischen und die Orthodoxen aus deren Kirchen. Dort traf man sich und dort wurden die konfessionell getrennt abgehaltenen Gottesdienste in ökumenischer Eintracht liturgisch weitergeführt. Zugegen waren u.a. auch der evangel. Landesbischof Bayerns Dr. Johannes Friedrich und der Bischof Vasillos von der Griech.–Orth. Metropolie von Deutschland. Es regnete und da ich mich nun lange genug an „verschwommenen Bildern” satt gesehen hatte, rief ich Fr. Pfr’in. Raff-Eming an und erkundigte mich nach dem Verbleib meiner Brille. Sie hatte sie zwar nicht vergessen und war auch schon um 8.00h morgens von Schwaigern losgefahren; sie steckte allerdings im Stau.
    




      Durchnässt und durchgefroren erreichte ich das Münchner Messegelände. Hier wollte ich mir etwas zwischen die Kiefern schieben. Vergebens. Zwar gab’s genügend Imbisstände und auch Restaurants, nur standen überall riesige Schlangen davor. Und draußen schüttete es kübelweise. So irrte ich in den Messehallen umher wartend auf meinen ersten Vortrag „Die dunkle Seite des Lebens – Scheitern, Sehnsucht und offene Fragen”. Nicht sonderlich ansprechend fand ich den Vortrag mit anschließender Podiumsdiskusion. Zwischendurch raste ich ab und zu raus, um zu schauen, ob die Schlangen in der Fressmeile immer noch so groß waren. Nach dem Vortrag ging’s in gleicher Manier weiter, etwas auf die Schnelle zu essen aufzutreiben. Denn schon um 16:00h folgte die Podiumsreihe „Wie viel Religion verträgt die Demokratie? – Statements und Streitgespräch” u.a. mit Petra Paul MdB, Bundestagsvizepräsidentin. Bei all dem gegenseitigen harmonischen Einvernehmen der Gesprächsteilnehmer konnte sich der Moderator die Bemerkung nicht verkneifen, dass eigentlich ein Streitgespräch angedacht war.

Als ich zum Vortrag mit Pater Amsel Grün vom Kloster Münsterschwarzach zum Thema „An der Quelle des Lebens – Sehnsucht stillen und Kraft schöpfen” huschte, tönte es freudig erregt: „Hallo Herr Gast!” Fr. Pfr’in. Raff-Eming war eingetroffen und steckte mir auch gleich meine Brille zu. „Nun hat’s ein End’ mit dem Leid” konstatierte ich erleichtert und dass ich ihr was schuldig sei, was sie sogleich entschieden negierte. Mit Scharfblick konnte ich nun Pater Amsel weit vorne auf dem Podium sehen und seinen Ausführungen lauschen. Für Dr. Jörg Zink, Pfarrer i.R., Stuttgart, der altersbedingt seine Teilnahmen an den heurigen und künftigen Kirchentagsveranstaltungen absagen musste, nahm ersatzweise Prof. Dr. Klara Butting, Hannover als Gesprächspartnerin für Pater Amsel teil. Ein wenig verwundert war Pater Amsel schon, als sich weit vor Veranstaltungsende um 21:00h die überfüllte Halle zu lichten begann. Verständlich ist dies schon angesichts des riesigen Münchner Einzugsgebietes und der damit einhergehenden weiträumigen Unterbringung von uns Kirchentagsbesucher.
    


2. Tag in München:

Gleiches Procedere wie gestern: 6.00h Aufstehen, in der Sporthalle Duschen, Anziehen, in der Schulmensa Früstücken und zum Bahnhof Fürstenfeldbruck Latschen (bis 9:00h musste man das Schulgebäude verlassen haben!).
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Einige aus unserer Schwaigerner Gruppe warteten schon auf dem Bahnsteig. Denen erzählte ich sogleich, dass mir von zwei Herren in „Blaumännern” untersagt wurde, zum Rauchen im Freien die automatisch ins Schloss zurückfallende und von außen nicht zu öffnende Kellerausgangstüre mit einem leeren Feuerzeug offen zu halten. Die Alarmanlage würde dabei aktiviert werden. Nun muss ich halt künftig meilenweit laufen und mich hoch ins Erdgeschoss quälen, um vor dem Schulhaupteingang qualmen zu können. Dass man allein unterwegs ist, will man spezielle Veranstaltungen besuchen, stieß auf großes Verständnis bei allen aus unserer Gruppe. Marcel traf sich des Öfteren mit seinen Exschulkameraden und Lars kannte ja sowieso die halbe Welt. Von den anderen aus unserer Reisegruppe sah zumindest ich so gut wie keinen. Der Herzlichkeit und gegenseitigen Aufmerksamkeit unter uns Schwaigernern tat dies jedoch keinen Abbruch. So durchstreifte ich meist im Alleingang München und die Kirchentagsveranstaltungen und freute mich, beim Kirchentag dabei sein zu dürfen.
    
Äußerst interressant versprach der Bibelvortrag zum Römerbrief 8, 16–25 „Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.” vom Philosphen Prof. Dr. Volker Gebhardt, Berlin zu werden. Der Festsaal des Künstlerhauses am Lenbach war das passende Ambiente. Gleich zu Beginn des Vortrags wies er auf sein Philosophsein hin und dass er einzig aus rationaler Sicht zum Text was sagen kann und wird. Lt. Prof. ist ein Moment der Überlegenheit des Menschen in der Natur die Fähigkeit, Wissen anhäufen und sich auf Künftiges einstellen zu können. Der Fortschritt des Wissens verdeutlicht, dass der Mensch niemals alles wissen kann und wird, was der Glaube kompensiert und so die Perspektive der Menschheit erweitert. Glauben ist die persönliche Einstellung, das Verhalten zum Wissen. Wir sind davon überzeugt, dass unser Wissen etwas bringt. Hoffnung wird ausdrücklich gemacht durch den Glauben. Wir müssen uns auf etwas stützen, was als Ziel noch nicht sichtbarb ist. Der Glaube ist prinzipiell die das Wissen tragende Form. Und das Zeugnis Gottes liegt in allem uns Sichtbaren. Soweit das, was ich vom Vortrag verstanden und in Erinnerung behalten habe. Eingerahmt wurde der Vortrag von zwei von allen gesungenen volkstümlichen Kirchenliedern begleitet von einem Posaunenchor.













In der katholischen Jesuitenkirche St. Michael erwartete mich eine kleine Überraschung. Ein Crashkurs über katholische Rituale z.B. die Gebetshaltung oder das Knien beim Gottesdienst. Hinweistafeln, wie nebenstehend veranschaulicht, waren in Parcourart im ganzen Kirchenschiff verstreut. Selbstverständlich stieg ich auch hinab zur dortigen Fürstengruft der Wittelsbacher, in der die Bayern bis heute die Gebeine ihres Märchenkönigs Ludwig II. verehren.

    
Rechtzeitig zu Beginn des historischen Rathausglockenspiels zur Mittagsstunde traf ich auf dem Marienplatz ein. Zu hören gab’s u.a. „Sah ein Knab ein Röslein steh’n” oder „Prinz Eugen der edle Ritter”. Lustig anzuschauen war der Ausgang eines dargestellten Lanzenturniers zweier Ritter, als der eine der Kontrahenten den anderen samt Ross und Reiter umstieß.

Bereits um 14:00h ging’s in der Messehalle B2 mit der Podienreihe „Worum im Glauben streiten? – Ökumene: Reizwort und Hoffnungsthema” weiter. „Wir in Baden haben ...” ließ der Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Freiburg verlauten und erzählte über seine ökumenischen Aktivitäten und gab dabei zu bedenken, dass man, was die Ökumene betrifft, nicht immer nur von dem noch nicht Erreichten sondern endlich auch einmal von den bereits erzielten Erfolgen sprechen sollte. Gerade noch rechtzeitig kam ich zum Vortrag von Prof. Dr. Armin Nassehi, Soziologe, München zum Thema „Orientierung finden im Religionsgestöber – Kehrt die Religion zurück”. Immer wieder meinte er, beteuern zu müssen, dass seine Ausführungen keine Kritik an der bzw. den Kirchen sondern lediglich die Analyse von Erhebungen seien.

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Pfundig lief’s mit den Bus– und S–Bahn–Verbindungen vom weit außerhalb gelegenen Messegelände zum Odeonsplatz in Münchens City. Dort lud die Orthodoxe Kirche zum Orthodoxen Vesper in ökumenischer Gemeinschaft ein.

Nach meinem Empfinden war für mich diese Orthodoxe Vesper eine Pflichtveranstaltung, die ich zumindest anstandshalber zu besuchen hatte, da, wie ich erst heute früh erfahren hatte, auch einige aus unserer Schwaigerner Reisegruppe in einem Chor mitsingen würden. Gesehen hatte ich allerdings nur Lars. An 1.000 Tischen wurde das gesegnete Brot miteinander geteilt, die sogenannte Artoklasia. Auf den Tischen standen Wasserkrüge und Äpfel lagen herum. Richtige Fladenbrote wurden unter den Anwesenden verteilt, von denen man sich ein Stück so groß man wollte abbrechen durfte. „Jetzt ist es eine Definitionsfrage. Wenn’s eine Hostie ist, muss man es gleich schlucken.”, fuhr es mir leise unüberlegt heraus. „Soweit sind die noch lange nicht!” tönte es von hinten hervor. Um nirgends anzuecken aß ich meines vorsorglich ganz auf und sah davon ab, es als Snack für den kleinen Hunger zwischendurch mir aufzuheben.


    
„Männerschicksale ...” einmal auf eine andere Art kennen zu lernen, versprach amüsant zu werden, zumal meine Stippvisite im Olympia Stadion zuvor enttäuschend verlief. Im „Hard–Chor”, ein männlicher Klangköper mit kabarettistischem Wortwitz, machten 16 Sänger mit Sinn für Unsinn das Beste aus ihrem Mannsein und sangen von Männerschicksalen, Frauenchören und den eigenen Wechseljahren.

   





3. Tag in München:
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Morgentliches Procedere wie gestern, jedoch diesmal gemeinsames Frühstücken und zum Bahnhof Latschen mit Marcel.

Marcel hatte sich bereits mit Lars ins Benehmen gesetzt und da ich meine immer ad hoc bisher auserkorenen Kirchentagswunschveranstaltungen schon absolviert hatte, fragte ich Marcel, ob ich mich ihm anschließen dürfe, was er bejahte. So besuchten wir drei gemeinsam die Bibelarbeit von Prof. Dr. c.h. Wolfgang Huber, Bischof i.R., ehemaliger Ratsvorsitzender Evangel. Kirche in Deutschland, Berlin zur Bibelpassage aus dem Matthäusevangelium 25, 31–46 „Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit.”.
    
Fr. Dr. Margot Käßmann hatte heuer im Feber als Konsequenz ihrer Trunkenheitsfahrt all ihre Ämter an der Spitze der EKD und der Evangelisch–lutherischen Landeskirche Hannovers unverhofft niedergelegt und bekleidet nunmehr wieder eine Pfarrstelle in ihrer Landeskirche. Eine Karriere wie im Bilderbuch und dann dieser jähe Absturz wegen einer launischen Unachtsamkeit. „Was nur in mich gefahren ist, weiß ich nicht?”, soll sie nach Worten der Entschuldigung und des großen Bedauerns gerungen haben. Gleich zu Anfang Ihres Vortrags „Sind die Kirchen ein Zeichen der Hoffnung in der Welt?” betonte der Moderator, dass Fr. Pfr’in. Dr. Margot Käßmann, Landesbischöfin a.D., Hannover einzig wegen des immens großen Beistands nach ihrem Missgeschick so vieler Menschen in und außerhalb kirchlicher Kreise ihre aktive Teilnahme am Kirchentag nicht abgesagt hatte. Wie sie sich schlagen wird, darauf war ich neugierig. Und sie schlug sich prächtig. So wie ich sie am letzten Kirchentag in Bremen live erlebt hatte, zeigte sie sich auch heuer wieder. Ungebrochen, couragiert, forsch, offenherzig und aufrichtig gegen sich selbst und andere und vor allem quitsch fidel. Mentalitätsmäßig wirkte Fr. Pf’in. Dr. Käßmann auf mich wie ihre hannoveranische Landsfrau, die neunzehnjährige Abiturientin Lena Meyer–Landrut, die heuer zu aller Freude den Eurovision Song Contest für Deutschland gewonnen hatte. Mit Standing Ovation wurde Fr. Pfr’in. Dr. Margot Käßmann begrüßt und mit Standing Ovation verabschiedet. Sie hat bereits wahrlich ihre eigene Gemeinde bzw. außerkirchlich ausgedrückt ihren eigenen Fanclub etabliert. Lars war’s vergönnt, sich zusammen mit ihr photografieren lassen zu können. Ein exquisites Mitbringsel vom heurigen Kirchentag?
    
Marcel’s und mein nächster Vortrag fanden außerhalb des Messegeländes statt. Ich für meinen Teil besuchte die Veranstaltung „Christlich–muslimischer Dialog: wozu – wohin?”. Der bayerische evangel. Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, München teilte hierin mit, dass Bayern an drei Universitäten Lehrstühle für islamische Theologie einrichten wird und Hr. Animan A. Mazyek, Generalsekretär Zentralrat der Muslime, Köln beteuerte – zumindest so hab’ ich’s verstanden, dass seitens der Muslime in Deutschland keine weitreichenden gesellschaftlichen Änderungen gefordert werden z.B. hinsichtlich den gesetzlichen religiösen Feiertagen oder anderer staatlicher Unterschutzstellung muselmanischer Gepflogenheiten. Vielmehr würden es die Muslime Deutschlands als ausreichend ansehen, wenn bundesweit Kindergärten und Schulen die elterliche islamische Erziehung z.B. durch Freistellung an islamischen Feiertagen fördern würden.

Im Anschluss trafen Marcel und ich uns mit Lars und wir durchschlenderten gemeinsam die Parkanlagen des Nymphenburger Schlosses. Lars hatte noch was anderes vor, Marcel hingegen bevorzugte, den Spaziergang fortzusetzen, und so ging Lars seines Weges und wir beide des unseren.
    


      Vor der S–Bahn–Untergrundstation klagte Marcel plötzlich über starke Übelkeit, dass ihm schon seit heute früh schlecht ist und dass er kurz zur Unterkunft zurück fahren muss, um seine zuhause prophylaktisch eingepackten Tabletten einzunehmen. Verabredet waren wir beide um 20:00h mit Lars im „Marienhof” in der Münchner Innenstadt zu einer Musikveranstaltung. Und da ich für unsere notgedrungen Daheimgebliebene aus unserer Schwaigerner Kirchentagsgruppe ein Grußkärtle mit Briefmarke, am besten eine Sondermarke vom Kirchentag, besorgen wollte, trennten wir uns. „Du kannst mich jederzeit anrufen, wenn Du was brauchen solltest. Mein Handy ist auf dem Kirchentag immer eingeschaltet.”, versicherte ich Marcel; er seinerseits versprach, mich per SMS über seinen Gesundheitszustand zu informieren, falls er nicht zum vereinbarten Treff kommen kann.
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Was wäre München ohne sein Hofbräuhaus. Ein Besuch dort ist Pflicht. So auch für mich. Wie nicht anders zu erwarten war, war der Schanksaal, die sogenannte „Schwemme”, gerammelt voll. Nur im Biergarten konnte ich meine Maß Bier stemmen. Dort erreichte mich auch Marcel’s Absage per SMS. So begab ich mich alleine zum verabredeten Treffpunkt. Die Musikdarbietungen waren mehr als ansprechend. Sie begeisterten die Zuhörer. Wegen des Getümmels verschob ich meinen Anruf bei Lars bis nach der Vorstellung. Lt. Lars konnte er Marcel per Handy nicht erreichen und einige der Schwaigerner hätten sich am Marienbrunnen auf dem Marienplatz zum Abendsegen verabredet. Angetroffen hatte ich jedoch dort keinen. Auch nach dem Abendsegen, den Fr. Pfr’in. Dr. Käßmann in einem Lichtermeer brennender Kerzen spendete, fand ich niemanden aus unserer Reisegruppe. Da ich während des Kirchentags durchschnittlich nur vier bis fünf Stunden täglich Schlaf hatte, fuhr ich zurück zur Unterkunft. Um 0:10 fuhr die letzte S–Bahn ab Hbf., mit der man noch rechtzeitig knapp vor Einlassschluss um 1:00h in der Unterkunft sein konnte. Aus dem S–Bahnfenster erspähte ich über der Sporthalle unserer Unterkunft ein weithin sichtbares rotes Warnblinklicht.
    
Und als ich mich dem Schul–Campus näherte, sah ich von fern einen Krankenwagen. „Oh Schreck! Marcel?”, durchfuhr es mich. Unten in unserem Schlafsaal war er nicht; auch nach längerem Zuwarten tauchte er nicht auf. Dass wir eine Viertelstunde früher als geplant lt. SMS von Fr. Pfr’in, Raff-Eming morgen abfahren werden, wollte ich Marcel weitersagen. Oben im Foyer der Schule fragte ich einen jungen Sanitätsgehilfen nach den Ursachen des ärztlichen Großaufgebotes. Viele Krankenwagen und auch Feuerwehrautos standen auf dem Schulhof und überall herrschte hecktisches Treiben. „ Viele der hier aber auch in München Untergebrachten seien plötzlich erkrankt. Deshalb habe man in der Sporthalle ein Sammelkrankenlager eingerichtet und dieses solange unter Quarantäne gestellt, bis man die Ursachen dieser Epidemie wisse. Man dürfe das Schulhaus nicht verlassen und solle in den Zimmern bleiben.”, hieß es. Eine Auskunft über den Verbleib von Marcel wurde mir immer wieder unter Hinweis auf den Datenschutz erbarmungslos verweigert. Alles zureden half nichts. Selbst mein Hinweis auf Marcel’s Minderjährigkeit und darauf, dass unsere Pfarrerin Fr. Stephan privat untergebracht ist und ich sie ohne Konkretes zu wissen nicht unnötig beunruhigen möchte, blieb fruchtlos. „Und was soll denn Fr. Pfr’in. Stephan sagen, wenn seine Eltern anrufen und wissen wollen, wo Marcel steckt?” Erst mit dieser Frage, mit diesem Zauberspruch war der Bann gebrochen. Sofort sprang er auf, raste hinüber zur Sporthalle und kam mit einem Zettel in der Hand zurück. Hierauf stand eine Telefonnummer. Marcel war ins hiesige Kreiskankenhaus gebracht worden. Warum und weshalb wisse er nicht und er könne mir mit nicht mehr helfen, beendete der Sanitätsgehilfe unser Gespräch.
    
Mit diesen Infos bespickt begab ich mich zuerst ins Nachbarzimmer unseres Schlafsaales zu Hr’n. Diakon Beye. Wie ich am nächsten Morgen erfuhr, hatte es auch ihn erwischt. Ihn informierte ich mündlich; Fr. Pfr’in. Stephan danach per SMS. Ich wollte sie nicht aufschrecken, zumal man heute Nacht im Kreiskrankenhaus sowieso nichts Näheres über Marcel in Erfahrung bringen gekonnt hätte. Pfr’in. Raff-Eming und Pfr’in. Stephan logierten im selben Privatquartier. So bekam ich von Fr. Pfr’in. Raff-Eming auf mein an Fr. Pfr’in. Stephan gerichtetes Erst–Info–SMS neben der fürsorglichen Bitte, ja gesund zu bleiben, auch die Frage, ob sie denn was tun könnten. „Alles O.K.”, schrieb ich ihr zurück und begab mich wieder hinab auf mein Nachtlager (Schlafsack auf Luftmatratze). Bereits im Schlafsack und zugedeckt kündete mein Handy erneut den Eingang eines SMS an. Piep, piep, piep schäpperte es. Ich sogleich von meinem Nachtlager aufgesprungen, vom dunklen Schlafsaal rauf ins Erdgeschoss gehetzt, um endlich einen Empfang mit meinem Handy zu haben und Fr. Pfr’in. Raff-Eming fernmündlich alles darlegen zu können. Leider ohne Erfolg. Dennoch konnte ich erstaunlicherweise weiterhin SMS verschicken. In der Antwort–SMS von Fr. Pfr’in Raff-Eming gab’s jetzt zu lesen: „Ja”. Kein Punkt, kein Ausrufezeichen, kein Fragezeichen nach dem „Ja”. Was meinte Sie nur? Also bestätigte ich ihr das Selbstverständlichste auf der Welt, dass ich für unsere Heimreise Marcel’s Sachen zusammenpacken und mitbringen werde. Dass nun endlich geschlafen werden sollte, gab ich ihr mit dem Abschiedsgruß „Gut’s Nächtle” durch die Blume zu verstehen. Weit gefehlt. Nach geraumer Zeit wieder dasselbe Spiel. „Ich hätte mir denken können, dass sie keine Ruhe gibt!”, schoss es mir durch den Kopf. Doch zu lesen bekam ich statt dessen nun endlich ein befreiendes und abschließendes „Gute Nacht”.

Abreisetag:
    
Um 8:00h ließ das Bayerische Gesundheitsamt verlauten, dass es sich bei dem Krankheitserreger um ein „Wurmvirus” handelt mit einer Inkubationszeit von 2 bis 24 Stunden und einer Genesungsdauer von 1 bis 2 Tagen. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sind die häufigsten Krankheitsbilder hiervon. Übertragen wird der Virus weniger durch Tröpfcheninfektion als vielmehr durch Fäkalien mittels Hautkontakt, also vor allem mangels Hygiene bei bzw. nach einem Stuhlgang. Der äußerst hohen Agressivität des von irgend jemanden irgendwoher eingeschleppten Krankheitserregers vermochte die ständige Sauberkeit von Unterkunft und Gästen wenig entgegen zu setzen. Für diejenigen, die nicht erkrankt waren, wurde das Ausgehverbot aufgehoben.

Sogleich rief ich Fr. Pfr’in Raff-Eming vom Schulhof aus an, informierte sie über Vorgenanntes und bat sie, jemanden zu schicken, der Marcel’s Gepäck zum Bus bringen kann. Ich wollte kein Gepäckstück unbeaufsichtigt am Straßenrand stehen lassen. Fr. Pfr’in. Stephan ging mir zur Hand. Schnell unser Gepäck im Bus verstaut, begaben wir uns mit der S–Bahn zum Abschlussgottesdienst auf die Theresienwiese. Marcel’s Sachen wurden ins Auto der Eheleute Mayer verladen. Sie wollten ihn vom Krankenhaus abholen und heimbringen, denn er war zwar noch geschwächt aber durchaus reisefähig. Und da sie vor Antritt der Heimreise Mittagstisch halten wollten, konnte Marcel sich im Krankenhaus noch etwas erholen.

      Auf dem Weg zum Abschlussgottesdienst verplauderten Gudrun – klein von Statur – und ich uns ein bissle. Wir beide kennen uns schon aus unserer Backfisch–Zeit beim Schwaigerner Akkordeon–Orchester und hatten uns so manches Schöne aus dieser Zeit zu erzählen. Plötzlich, wie von der Tarantel gestochen, schoss sie los und rief mir im Umdrehen aus der zum Abschlussgottesdienst vordrängenden Menschenmasse trollig zu: „Du bleibst aber bei mir. Sonst bin ich verloren!” „Aber ja doch. Dein grüner Anorak ist ja nicht zu übersehen.” Dabei musste ich wie einige Umstehende auch herzhaft auflachen. Wir beide hatten nämlich in der Zwischenzeit den Anschluss an unsere Schwaigerner Reisegruppe verloren. Irgendwann – wir waren immer noch nicht fündig geworden – rief Gudrun mit ihrem Handy jemanden aus unserer Reisegruppe an: „Jetzt hab’ ich einen großen Mann neben mir und find’ euch immer noch nicht!” "Wer suchet, der findet", heißt’s und wir fanden unsere Truppe. Der Abschlussgottesdienst selbst war mehr als frostig. Es regnete und ich fror wie so viele andere auch.
    
Zehn Leute aus unserer Schwaigerner Reisegruppe fuhren mit der S4 von Heilbronn–Harmonie zurück nach Schwaigern. Kaum in Schwaigern–Bahnhof ausgestiegen, fragte Margret in die Gruppe hinein sichtlich zufrieden mit der Reise: „Und? Fahren wir nächstes Jahr wieder?” Mit sechzehn Leuten sind wir los gezogen und unsere beiden Pfr’innen. Fr. Stephan und Fr. Raff-Eming haben uns alle wieder heil und gesund nach Hause gebracht. Ende gut, alles gut!



    


Fazit:


Heuer war’s für mich der interessanteste, aufregenste und schönste Kirchentag, den ich miterleben durfte, was man am Umfang meines Reiseberichtes feststellen kann. Zweifelsohne hatten die beiden Damen, Pfr’innen. Stephan und Raff-Eming, einen gehörigen Anteil daran. Zu oft nimmt man vorbildhafte Vorbereitung, Organisation und Betreuung vor Ort als allzu selbstverständlich wahr. Ich möchte es deshalb nicht versäumen, diesen beiden auf diesem Wege nochmals mein herzliches Dankeschön auszusprechen und dieses als Abschluss meines Reiseberichtes auf Ökumenisch tun:

„Vergelt’s Gott!”



Wegen Serverproblemen erst am 03.06.2010 ins Internet gestellt



Buchtipp!
Wie könnte es anders sein, darf auch hier mein Hinweis auf eine passende Lektüre für unterwegs nicht fehlen. Ich empfehle mein Buch „Jakobsweg — ein Weg nicht nur für Gscheitles”. Denn man kann es nicht oft genug sagen, dass ich meine Pilgererlebnisse und –erfahrungen publiziert habe. Mein Buch ist noch im Buchhandel erhältlich. Wie lange dies jedoch noch sein wird, hängt vor allem vom Verkauf ab. Wenn allerdings es keiner mehr kauft, wird es aus dem Buchhandel verschwinden und nur noch eine Legende sein. Daher: Rettet mein Buch und kauft es! Kauft mein Pilgerbuch "Jakobsweg — ein Weg nicht nur für Gscheitles".! Kauft es!

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Nun bleibt mir nur noch, Ihnen für Ihr Interesse zu danken und Ihnen ans Herz zu legen, an mein Buch zu denken, falls Sie ’mal ein kleines individuelles Geschenk suchen. Hierfür schon im Voraus mein herzliches Dankeschön.



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