Anreisetag:
Fünf aus unserer sechzehnköpfigen Reisegruppe fanden sich am 12. Mai 2010 kurz vor 10.00 h am Schwaigerner Bahnhof ein, um gemeinsam mit der Stadtbahn S4 nach Heilbronn–Harmonie zu fahren und von dort aus zum nahen Heilbronner Reisebusbahnhof Karlstraße zu marschieren. Auf Wunsch von Fr. Pfarrerin (Pfr’in.) Raff-Eming oblag mir die Organisation einer preisgünstigen Anreise nach Heilbronn. Nicht alle aus unserer Gruppe reisten mit dem Bus von Heilbronn nach München hin und auch wieder zurück; manche wählten nur die Rückfahrt, andere wiederum reisten gänzlich mit Privat–Kfz’s.
Auf dem Schwaigerner Bahnsteig fiel es mir siedend heiß ein, dass ich meine Brille zuhause auf dem Wohnzimmertisch meiner Wohnung liegengelassen hatte. Ein Kirchentag ohne „Scharfblick”, oh Schreck! Ein Nachbringen meiner Brille zum Heilbronner Reisebusbahnhof per Auto wollte und konnte mein Vater altersbedingt nicht. Und wen konnte ich denn sonst noch von meinen Bekannten hierzu bitten. Alle waren doch im Geschäft. Gudrun hatte die blendende Idee, Fr. Pfr’in. Raff-Eming, die einen Tag später, also am 13.05. privat nach München anreiste, könne doch meine Brille nachbringen. Gesagt, getan. Mein Vater gab meine Brille bei Fr. Mayer beim Evangel. Pfarramt Schwaigern ab. Dort sollte sie Fr. Pfr’in. Raff-Eming abholen und mir nachbringen, wozu sie sich zuvor fernmdl. auch spontan bereit erklärt hatte.

Hr. Diakon Beye vom Evangel. Jugendwerk Heilbronn hatte wie im Jahr zuvor die Federführung bzgl. Anreise und Unterbringung. Zwei Busse waren bei der Heilbronner Firma Gross gechartert worden. Dass alle aus unserer Schwaigerner Reisegruppe in Fürstenfeldbruck untergebracht werden konnten, war vor allem dem Engagement von Fr. Pfr’in. Stephan zu verdanken. Selbst Marcel und ich, die wir beide als einzigste aus unserer Schwaigerner Reisegruppe ein Gemeinschaftsquartier gebucht hatten, logierten unweit des Bahnhofs Fürstenfeldbruck in einer nagelneuen Staatl. Beruflichen Oberschule. Auf € 157,00 (Gemeinschaftsquartier mit Frühstück: € 89,00; Vermittlungspauschale: € 18,00; Buskosten: € 50,00) beliefen sich meine Fixkosten fürs fünftägige Reisevergnügen.
Mit halbstündiger Verspätung starteten wir so um 11.30 h mit zwei Bussen. Die Pfadfinder, die beim Kirchentag halfen, hatte Hr. Diakon Beye in den einen und uns Alte – unser Jungspund Marcel möge mir diese Verallgemeinerung nachsehen – in den anderen Bus verfrachtet. Ich hatte mich notgedrungen neben einen Rentner aus Heilbronn gesetzt, was ich nicht zu bereuen hatte. Er erzählte mir so einiges von der „Evangel. Großkirchengemeinde Heilbronn” und deren Teilkirchengemeinden. Für eine dieser Teilkirchengemeinden war er trotz hohem Alter (– norddeutsch mit Genitiv! –) immer noch sehr engagiert. Bestens unterhielten wir uns auf der Fahrt. Wegen einer Autobahnbaustelle und den damit zu erwartenden Staus wählten die Busfahrer nicht die Autobahnroute über Stuttgart – Ulm sondern die etwas weitere über Nürnberg. Gebracht hat’s leider nichts.
Viel zu spät, um noch rechtzeitig zum Eröffnungsgottesdienst zu kommen, fuhren unsere Busse in Fürstenfeldbruck ein. Rasch mit Marcel unser beider Quartier in der Staatl. Beruflichen Oberschule Fürstenfeldbruck bezogen – die Heilbronner Gemeinschaftsquartierler waren in der Nachbarstub’ untergebracht – schlappten wir zum nahen S–Bahn–Bahnhof Fürstenfeldbruck getreu dem Kirchentagsmotto in der wagen Hoffnung, vielleicht doch noch etwas vom Eröffnungsgottesdienst auf der Münchner Theresienwiese mitbekommen zu können. Lars der in einem Privatquartier untergebracht war, hatte sich auch schon auf dem Bahnsteig eingefunden. Nach ca. 20 minütiger S–Bahnfahrt und einem viertelstündigen Fraußmarsch erreichten wir dieTheresienwiese leider viel zu spät. Die Menschen strömten bereits vom Platz und so zogen wir drei mit diesen in Richtung Münchner Innenstadt, die für den „Abend der Begegnung” hergerichtet war. Unzählige Buden, Fressmeilen, Veranstaltungsbühnen, Informationsstände u.s.w. reihten sich aneinander; geordnet nach den Regionen Bayerns.
Lars und Marcel hatte ich zum ersten Mal auf unserem Vorbereitungstreffen in Schwaigern kennen gelernt. Und so verwunderte mich Lars Bekanntheitsgrad schon ein bisschen. Denn kaum auf dem „Abend der Begegnung” angekommen, gab’s gleich ein „Halli und Hallo” mit mir und anscheinend auch Marcel wildfremden Leuten. Und wie viele andere Leute aus Lars Bekanntenkreis noch auf dem Kirchentag seien, wurde gleich zwischen Lars und seinen Bekannten spekuliert. Wie bei Kirchentagen üblich kamen wir ohne Scheu voreinander rasch ins Gespräch. „He, warum schupsen Sie mich denn?” hatte ich schon auf den Lippen, als ich mich umdrehte und der Ursache nachgehen wollte, weshalb ich von hinten zart zur Seite gedrückt wurde. Leibwächter schirmten Promis ab. Die, die ich zu Gesicht bekam, waren mir völlig unbekannt. Marcel meinte, unser Bundespräsident Horst Köhler sei mit dabei gewesen. Er hatte es sich wieder ’mal nicht nehmen lassen, uns Kirchentagsbesucher nach dem Eröffnungsgottesdienst auf der Theresienwiese persönlich zu begrüßen. So sieht also bei Staatsoberhäuptern ein „Bad in der Menge” aus.

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